PISA 2025: Was die Ergebnisse für Ihr Kind bedeuten
Grundlagen sichern und selbstständiges Lernen früh aufbauen
Die neuen PISA-Ergebnisse geben Anlass, genauer hinzuschauen: Über die vergangenen zehn Jahre sind die Leistungen in Mathematik und Lesen in der Schweiz gesunken. Ein beträchtlicher Anteil der 15-Jährigen erreicht in diesen Bereichen das grundlegende Kompetenzniveau nicht.
Für Eltern stellt sich dabei eine sehr konkrete Frage: Hat mein Kind die Grundlagen, die es für die nächsten Lernschritte braucht? Dazu gehört das fachliche Verständnis ebenso wie die Fähigkeit, Aufgaben zu planen und das eigene Lernen zunehmend selbst zu organisieren.
Beides verdient früh Aufmerksamkeit. Denn wenn Schwierigkeiten erst kurz vor einer wichtigen Prüfung auffallen, müssen häufig mehrere Dinge gleichzeitig aufgeholt werden. Wenn Lernen über längere Zeit vor allem auf die nächste Prüfung ausgerichtet ist, können Grundlagen unsicher bleiben und sich Lücken vergrössern. Wer wiederkehrende Unsicherheiten rechtzeitig erkennt, kann gemeinsam mit dem Kind und der Lehrperson gezielt daran arbeiten.
Was PISA über grundlegende Kompetenzen zeigt
Die am 8. September 2026 veröffentlichten Ergebnisse von PISA 2025 zeigen: Die Schweiz liegt in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. Über die vergangenen zehn Jahre sind die Leistungen in Mathematik und Lesen jedoch gesunken. In den Naturwissenschaften blieben sie stabil.
(SBFI und EDK)

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Mindestkompetenzen: Rund 23 Prozent der 15-Jährigen in der Schweiz liegen in Mathematik unter dem PISA-Kompetenzniveau 2, beim Lesen sind es rund 29 Prozent. Seit 2015 sind diese Anteile um sieben beziehungsweise neun Prozentpunkte gestiegen.
Niveau 2 umfasst beispielsweise, eine einfache Alltagssituation mathematisch zu erfassen oder die Hauptaussage eines Textes mittlerer Länge zu erkennen. Unterhalb dieser Schwelle sind solche grundlegenden Anwendungen noch nicht ausreichend gesichert.
(OECD-Länderbericht Schweiz)

PISA untersucht 15-Jährige. Die Ergebnisse zeigen weder, wann eine bestimmte Lücke entstanden ist, noch wie gut eine bestimmte Schule arbeitet. Für uns ist die Entwicklung aber ein deutlicher Anlass, den Voraussetzungen erfolgreichen Lernens mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Ein erheblicher Anteil der Jugendlichen erreicht das grundlegende Kompetenzniveau nicht. Der langfristige Trend gibt Anlass zur Sorge.
Neue Schwierigkeiten können alte Lücken sichtbar machen
In unserer Tätigkeit bei Upside Education begegnen wir häufig Kindern und Jugendlichen, deren aktuelle Schwierigkeiten mit älteren Lücken zusammenhängen und sich über Monate oder gar Jahre aufgebaut haben. Oft geht es um Inhalte aus der Primarschule, die später immer wieder gebraucht werden.
Bruchrechnen ist ein anschauliches Beispiel. Eine Jugendliche soll in der Sekundarschule eine Gleichung lösen. Sie versteht vielleicht den neuen Lösungsweg, gerät aber ins Stocken, sobald sie Brüche umformen muss. Dann lohnt es sich, genau dorthin zurückzukehren – also gedanklich zum Stoff der fünften oder sechsten Primarklasse: Was bedeutet ein Bruch? Weshalb verändert sich sein Wert beim Erweitern nicht? Wie hängen Brüche, Dezimalzahlen und Prozente zusammen, und wie lassen sie sich ineinander umwandeln? Was hat der Bruch mit der bereits bekannten Division zu tun?
Auch die Forschung unterstreicht die Bedeutung dieser Grundlagen. In einer Langzeitstudie mit Daten aus den USA und Grossbritannien hing das Verständnis von Brüchen und Division in der Primarschule mit den Mathematikleistungen fünf bis sechs Jahre später zusammen. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, als die Forschenden weitere Unterschiede zwischen den Kindern berücksichtigten.
(Siegler und Kollegen, 2012)
Ähnliches lässt sich am Lesen veranschaulichen: Wer einen Sachtext nur mühsam versteht, muss sich auch in Geschichte oder Naturwissenschaften stärker mit dem Entschlüsseln des Textes beschäftigen. Für die eigentliche Fragestellung bleibt dann weniger Aufmerksamkeit.
Deshalb sollten Grundlagen regelmässig aufgegriffen, erklärt und in unterschiedlichen Aufgaben angewendet werden – unabhängig vom Alter des Kindes. Viele Grundlagen werden in der Primarschule angelegt und in der Sekundarschule weiterentwickelt. Werden Lücken später sichtbar, gehört ihre gezielte Bearbeitung weiterhin zum Lernen dazu.
Um neuen Stoff zu verstehen, müssen Kinder auf Wissen zurückgreifen können, das sie bereits sicher beherrschen.
Planen und Organisieren brauchen angeleitete Übung
Mit zunehmendem Alter sollen Kinder mehr Verantwortung übernehmen: Hausaufgaben überblicken, Material bereithalten, Prüfungen vorbereiten. Diese Erwartungen setzen Fähigkeiten voraus, die im Alltag ausdrücklich geübt werden sollten.
Das kann bereits in der Primarschule einfach beginnen. Vor den Hausaufgaben schaut das Kind mit einer erwachsenen Person, was ansteht und womit es beginnen möchte. Später kommen Zeitabschätzungen und die Vorbereitung über mehrere Tage hinzu. Wie viel Begleitung nötig ist, hängt vom Entwicklungsstand und den bisherigen Erfahrungen ab.
An einer bevorstehenden Prüfung lässt sich das konkret üben:
- Vorher klären: Welche Themen kommen vor? Was kann ich schon? Was muss ich noch üben?
- Arbeit einteilen: Welche überschaubare Aufgabe nehme ich mir für welchen Tag vor?
- Verständnis prüfen: Kann ich eine Aufgabe ohne Vorlage lösen und meinen Weg erklären?
- Danach zurückschauen: Was hat funktioniert? Was ändere ich beim nächsten Mal?
Die Education Endowment Foundation empfiehlt auf Grundlage der Forschung, das Planen, Überprüfen und Auswerten des eigenen Lernens ausdrücklich zu vermitteln und an konkreten Unterrichtsinhalten zu üben.
(EEF-Leitfaden)
Wer damit früh beginnt, schafft Gelegenheiten zum Üben, bevor die Anforderungen steigen. Auch in der zweiten oder dritten Sekundarklasse können Jugendliche diese Fähigkeiten weiter aufbauen. Sie brauchen dafür nachvollziehbare Schritte und Unterstützung, die mit wachsender Sicherheit zurückgenommen wird.
Kalender, Agenda und Lernplan sind Hilfsmittel. Die Fähigkeit, sie sinnvoll einzusetzen, muss ein Kind erst lernen.
Wann Eltern genauer hinschauen sollten
Eine einzelne schlechte Note sagt wenig darüber aus, ob Grundlagen fehlen. Aufschlussreicher sind Muster, die sich über längere Zeit zeigen. Zum Beispiel:
- Ihr Kind macht bei ähnlichen Aufgaben immer wieder denselben grundlegenden Fehler.
- Es löst eine Aufgabe nach Vorlage, kann den Lösungsweg aber kaum erklären oder auf eine veränderte Aufgabe übertragen.
- Es liest einen Text, hat danach jedoch Mühe, den Inhalt in eigenen Worten wiederzugeben.
- Es verliert regelmässig den Überblick oder kann auch mit vereinbarten Hilfen kaum mit einer Aufgabe beginnen.
Solche Beobachtungen können unterschiedliche Ursachen haben. Ein ruhiges Gespräch hilft, mehr zu erfahren: «Zeig mir, bis wohin du es verstehst.» Oder: «Was macht den Anfang gerade schwierig?» Auch Fragen nach den Grundlagen («Kannst du mir erklären, was ein Bruch bedeutet?») helfen, sich möglichen Lücken bewusst zu werden.
Wenn sich ein Muster wiederholt, bringen Sie konkrete Beispiele ins Gespräch mit der Lehrperson ein. So lässt sich gemeinsam klären, was Ihr Kind braucht.
Wiederkehrende Schwierigkeiten sind ein Anlass, gemeinsam nach der Ursache zu suchen.
Wie Unterstützung zunehmend selbstständig macht
Am Anfang steht eine möglichst genaue Standortbestimmung. Beim Bruchrechnen könnte sich zeigen, dass das Kind Brüche vergleichen kann, beim Erweitern aber noch unsicher ist. Daraus ergibt sich ein überschaubares Lernziel. Anschliessend wird gemeinsam geprüft, ob es das Gelernte erklären und bei neuen Aufgaben anwenden kann.
Beim Organisieren gilt derselbe Gedanke. Zunächst planen Sie vielleicht gemeinsam die nächsten zwei Nachmittage. Später macht Ihr Kind einen eigenen Vorschlag, den Sie zusammen anschauen. Mit zunehmender Sicherheit übernimmt es mehr Verantwortung.
Unterstützung sollte zum tatsächlichen Bedarf passen und mit der Schule abgestimmt sein; bei anhaltenden Schwierigkeiten kann ergänzende fachliche Begleitung sinnvoll sein.
Bei Upside Education verbinden wir deshalb die Arbeit an
fachlichen Lücken mit Lernplanung und regelmässigen Rückmeldungen zum Fortschritt. Uns interessiert, was ein Kind inzwischen versteht und wie es sein Lernen zunehmend selbst steuern kann.
Gute Begleitung setzt an einer konkreten Schwierigkeit an und hilft dem Kind, den nächsten Schritt selbst zu bewältigen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Grundlagen sichern: Ältere Lücken können das Lernen neuer Inhalte erschweren.
- Früh hinschauen: Wiederkehrende Unsicherheiten gemeinsam mit Kind und Lehrperson klären.
- Lernplanung üben: Selbstständigkeit entsteht durch angeleitete Schritte.
- Nachholen lohnt sich: Grundlagen und Lernstrategien lassen sich auch später weiterentwickeln.
Fazit: Genau hinschauen und gezielt begleiten
Für Eltern kann der erste Schritt klein sein: Lassen Sie sich eine aktuelle Aufgabe erklären und hören Sie zu, wo Ihr Kind sicher ist und wo es stockt. So wird deutlich, welche Grundlage noch unsicher ist oder an welcher Stelle Unterstützung beim Planen und Vorgehen hilft.
Aus «Hast du genug gelernt?» wird damit eine konkretere Frage:
✦ «Was brauchst du, damit du hier weiterkommst?»
Sie möchten besser verstehen, welche Unterstützung Ihrem Kind hilft? Vereinbaren Sie ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch. Gemeinsam besprechen wir Ihre Beobachtungen und mögliche nächste Schritte.
Quellen
SBFI und EDK (2026): OECD publiziert die PISA-Ergebnisse 2025
Medienmitteilung vom 8. September 2026.
OECD (2026): PISA 2025 Results, Volume I – Country Note: Switzerland
Siegler, R. S., und Kollegen (2012): Early Predictors of High School Mathematics Achievement
.Psychological Science, 23(7), 691–697.
Education Endowment Foundation: Metacognition and Self-Regulated Learning
.Forschungsbasierter Leitfaden zur Förderung selbstregulierten Lernens.
