PISA 2025: Warum Kinder verlässliche Unterstützung beim Lernen brauchen

Wer ist für Ihr Kind da, wenn Lernen schwierig wird?

Ein Kind sitzt vor seinen Hausaufgaben und kommt nicht weiter. Gibt es jemanden, den es fragen kann? Jemanden, der zuhört, seine Anstrengung wahrnimmt und mit ihm den nächsten Schritt sucht? Solche alltäglichen Situationen zeigen, wie persönlich Lernbegleitung ist.

PISA untersucht auch, welche Unterstützung Jugendliche durch Lehrpersonen und Familie erleben. Die Ergebnisse geben Anlass, genauer hinzuschauen: Weiss mein Kind, an wen es sich wenden kann – und erlebt es die angebotene Hilfe als hilfreich?

Eltern, Grosseltern, Verwandte, vertraute Erwachsene und Lernbegleiter können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Gemeinsam können sie einen verlässlichen Rahmen schaffen, in dem Kinder Fragen stellen, Schwierigkeiten ansprechen und zunehmend selbstständig weiterkommen.

Wie Jugendliche Unterstützung erleben

Die Antworten der Jugendlichen zeigen, wie regelmässig bestimmte Formen von Unterstützung bei ihnen ankommen.

Die im September 2026 veröffentlichten Ergebnisse von PISA 2025 zeigen: In der Schweiz berichten 60 Prozent der 15-Jährigen, dass sich ihre Lehrperson in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden für das Lernen jedes Einzelnen interessiert. Im OECD-Durchschnitt sind es 69 Prozent. Die übrigen Jugendlichen erleben dieses Interesse seltener. Gegenüber 2015 zeigt sich bei den untersuchten Formen der Unterstützung durch Lehrpersonen kein durchgehender Rückgang.

 Balkendiagramm zur Unterstützung im Naturwissenschaftsunterricht in der Schweiz: Interesse am Lernen 57 auf 60 %, Unterrichten bis verstanden unverändert 66 %, zusätzliche Hilfe 71 auf 70 %.

Bei Gesprächen mit Eltern oder Erziehungsberechtigten fällt hingegen eine Veränderung auf: 41 Prozent der Jugendlichen berichten 2025 von mindestens wöchentlichen Gesprächen über mögliche Probleme in der Schule. 2022 waren es noch 52 Prozent.
OECD-Länderbericht Schweiz

Balkendiagramm für die Schweiz: Wöchentliche Fragen zum Schultag berichten 2022 noch 77 %, 2025 nur 71 % der Jugendlichen. Bei Gesprächen über Schulprobleme sind es 52 % beziehungsweise 41 %.

Solche Angaben beschreiben wahrgenommene Gesprächs- und Unterrichtsgewohnheiten. Nicht jedes Kind hat jede Woche schulische Probleme, und die Befragung erklärt nicht, weshalb bestimmte Gespräche seltener stattfinden. Sie regt aber eine sinnvolle Frage an: Wie erlebt unser Kind die Begleitung in seinem Alltag?

Unterstützung muss beim Kind ankommen

Gute Begleitung berücksichtigt, wie das Kind die angebotene Hilfe erlebt.

Eltern organisieren vieles: Schulmaterial, Termine, Prüfungsvorbereitung und Gespräche mit Lehrpersonen. Dazu kommt die persönliche Frage, ob sich das Kind mit seinen Schwierigkeiten verstanden fühlt. Beides verdient Aufmerksamkeit.

Die OECD unterscheidet deshalb zwischen dem Engagement von Eltern in Schulaktivitäten und der Unterstützung, die Jugendliche im Alltag wahrnehmen. Gerade das Interesse am täglichen Lernen hängt positiv mit den Naturwissenschaftsleistungen zusammen. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn der soziale Hintergrund berücksichtigt wird. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung lässt sich daraus nicht ableiten.
OECD: Familiäre Unterstützung

Im Alltag lohnt sich daher eine gelegentliche Rückfrage: «Wann hilft dir unsere Unterstützung besonders?» Vielleicht wünscht sich das Kind zuerst Ruhe, eine Erklärung oder jemanden, der einfach zuhört. Seine Antwort hilft, die Begleitung besser auf die Situation abzustimmen.

Warum Beziehungen für das Lernen wichtig sind

Eine tragfähige Beziehung kann Kindern helfen, sich auf schwierige Lernschritte einzulassen.

Eine Meta-Analyse von 189 Studien untersuchte die Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Lernenden. Positive Beziehungen gingen mit stärkerem Engagement und besseren schulischen Leistungen einher. Ein Teil des Zusammenhangs mit Leistung liess sich statistisch über das Engagement erklären. Die Befunde betrafen sowohl die Primar- als auch die Sekundarstufe.
Roorda und Kollegen, 2017

Für die Lernbegleitung leiten wir daraus ab: Kinder sollten erleben, dass sie Unverständnis zeigen dürfen und ihre Fragen ernst genommen werden. Wer fragt, gibt seinem Gegenüber die Möglichkeit, an der richtigen Stelle zu helfen.

Dazu passen konkrete Rückmeldungen: «Du hast die Aufgabe in einzelne Schritte zerlegt. Dadurch bist du weitergekommen.» Solche Beobachtungen machen Fortschritte sichtbar und zeigen dem Kind, dass sich jemand mit seinem Lernweg beschäftigt.

Eltern müssen nicht jede Aufgabe erklären können

Eltern können Rückhalt geben, Fragen klären und geeignete Hilfe organisieren.

Dazu gehört, dem Kind eigenes Denken zuzutrauen und seine Sicht ernst zu nehmen. Eine Meta-Analyse von 36 Studien zeigt: Elterliche Unterstützung, die die Eigenständigkeit des Kindes respektiert, hängt unter anderem mit höherer Motivation, wahrgenommener Kompetenz und besseren schulischen Leistungen zusammen.
Vasquez und Kollegen, 2016

Ein Beispiel: Eine Schülerin klappt nach einer schwierigen Aufgabe das Heft zu. Ihr Grossvater kennt den Lösungsweg ebenfalls nicht. Er fragt, was sie bereits verstanden hat, hört zu und hilft ihr, eine konkrete Frage für die Lehrperson zu formulieren.

Der nächste Schritt bleibt beim Kind. Die erwachsene Person hilft dabei, ihn überschaubar zu machen. Eine Frage wie «Möchtest du es mir zuerst erklären oder sollen wir gemeinsam überlegen, wen du fragen kannst?» bietet Orientierung und lässt dem Kind Mitsprache.

Ein Unterstützungsnetz kann mehrere Schultern haben

Verlässliche Begleitung kann von verschiedenen Menschen kommen, die unterschiedliche Stärken einbringen.

Forschung zu informellen Mentoren untersucht unterstützende Beziehungen zu Erwachsenen aus dem bestehenden Umfeld von Jugendlichen. Eine Meta-Analyse von 30 Studien fand positive Zusammenhänge mit der Entwicklung junger Menschen. Dabei hing die Qualität der Beziehung stärker mit positiven Ergebnissen zusammen als das blosse Vorhandensein einer Bezugsperson.
Van Dam und Kollegen, 2018

Für den Familienalltag lässt sich daraus die Anregung ableiten, passende Bezugspersonen bewusst einzubeziehen. Ein solches Netz könnte beispielsweise so aussehen:

  • Eltern behalten mit dem Kind den Überblick und stimmen sich mit der Schule ab.
  • Grosseltern, Verwandte oder vertraute Erwachsene nehmen sich regelmässig Zeit zum Zuhören, Lesen oder gemeinsamen Üben.
  • Freunde und Lernpartner erklären sich Aufgaben gegenseitig und vergleichen ihre Überlegungen.
  • Lehrpersonen und zusätzliche Lernbegleiter helfen bei fachlichen Fragen und geben gezielte Rückmeldungen.

Welche Personen passen, sollte das Kind mitentscheiden. Klare, realistische Absprachen schaffen Verlässlichkeit: Wer ist wofür ansprechbar, und wann gibt es Zeit füreinander?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Sicht des Kindes zählt.
    Fragen Sie nach, welche Unterstützung es als hilfreich erlebt.
  • Persönliches Interesse gehört zur Lernbegleitung.
    Zuhören und konkrete Rückmeldungen zeigen, dass jemand den Lernweg wahrnimmt.
  • Unterstützung darf sich verteilen.
    Eltern, Grosseltern, vertraute Menschen und Fachpersonen können unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
  • Gute Begleitung lässt Verantwortung wachsen.
    Das Kind erhält passende Hilfe und übernimmt zunehmend selbst den nächsten Schritt.

Mit einem Gespräch beginnen

Nehmen Sie sich einen ruhigen Moment und fragen Sie Ihr Kind, an wen es sich wendet, wenn Lernen schwierig wird. Was hilft ihm dann? Gibt es Situationen, in denen es sich mehr Unterstützung wünscht?

Daraus kann eine kleine, konkrete Verabredung entstehen: eine feste Zeit zum Besprechen offener Fragen oder ein gemeinsam vorbereitetes Gespräch mit der Lehrperson. Entscheidend ist, dass die Vereinbarung zum Bedarf des Kindes passt und im Alltag eingehalten werden kann.

«Was würde dir helfen – und wer könnte dich dabei unterstützen?»

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Quellen

OECD (2026)

PISA 2025 Results, Volume I: Country Note — Switzerland

Schweizer Ergebnisse zur wahrgenommenen Unterstützung durch Lehrpersonen und Familie.

OECD (2026)

PISA 2025 Results, Volume I: Student school life and beyond

Kapitel 4 zu schulischem Umfeld, familiärer Unterstützung und Zusammenhängen mit dem Lernen.

Roorda, D. L., et al. (2017)

Affective Teacher–Student Relationships and Students’ Engagement and Achievement

Meta-Analyse. School Psychology Review, 46(3), 239–261.

Vasquez, A. C., et al. (2016)

Parent Autonomy Support, Academic Achievement, and Psychosocial Functioning

Meta-Analyse. Educational Psychology Review, 28, 605–644.

Van Dam, L., et al. (2018)

Does Natural Mentoring Matter?

Meta-Analyse zu informellen Mentoring-Beziehungen. American Journal of Community Psychology, 62, 203–220.

Nickow, A., Oreopoulos, P., & Quan, V. (2024)

The Promise of Tutoring for PreK–12 Learning

Systematische Übersicht und Meta-Analyse experimenteller Studien. American Educational Research Journal, 61(1), 74–107.

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PISA 2025: Was die Ergebnisse für Ihr Kind bedeuten

Grundlagen sichern und selbstständiges Lernen früh aufbauen

Die neuen PISA-Ergebnisse geben Anlass, genauer hinzuschauen: Über die vergangenen zehn Jahre sind die Leistungen in Mathematik und Lesen in der Schweiz gesunken. Ein beträchtlicher Anteil der 15-Jährigen erreicht in diesen Bereichen das grundlegende Kompetenzniveau nicht.

Für Eltern stellt sich dabei eine sehr konkrete Frage: Hat mein Kind die Grundlagen, die es für die nächsten Lernschritte braucht? Dazu gehört das fachliche Verständnis ebenso wie die Fähigkeit, Aufgaben zu planen und das eigene Lernen zunehmend selbst zu organisieren.

Beides verdient früh Aufmerksamkeit. Denn wenn Schwierigkeiten erst kurz vor einer wichtigen Prüfung auffallen, müssen häufig mehrere Dinge gleichzeitig aufgeholt werden. Wenn Lernen über längere Zeit vor allem auf die nächste Prüfung ausgerichtet ist, können Grundlagen unsicher bleiben und sich Lücken vergrössern. Wer wiederkehrende Unsicherheiten rechtzeitig erkennt, kann gemeinsam mit dem Kind und der Lehrperson gezielt daran arbeiten.

Was PISA über grundlegende Kompetenzen zeigt

Die am 8. September 2026 veröffentlichten Ergebnisse von PISA 2025 zeigen: Die Schweiz liegt in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. Über die vergangenen zehn Jahre sind die Leistungen in Mathematik und Lesen jedoch gesunken. In den Naturwissenschaften blieben sie stabil.
(SBFI und EDK)

PISA Studies, time-series of student performance in Switzerland

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Mindestkompetenzen: Rund 23 Prozent der 15-Jährigen in der Schweiz liegen in Mathematik unter dem PISA-Kompetenzniveau 2, beim Lesen sind es rund 29 Prozent. Seit 2015 sind diese Anteile um sieben beziehungsweise neun Prozentpunkte gestiegen.

Niveau 2 umfasst beispielsweise, eine einfache Alltagssituation mathematisch zu erfassen oder die Hauptaussage eines Textes mittlerer Länge zu erkennen. Unterhalb dieser Schwelle sind solche grundlegenden Anwendungen noch nicht ausreichend gesichert.
(OECD-Länderbericht Schweiz)

PISA-Zeitreihe für die Schweiz von 2000 bis 2025: Nach zunächst sinkenden Anteilen liegen 2025 im Lesen 28,8 %, in Mathematik 23,2 % und in Naturwissenschaften 20,7 % der Jugendlichen unter Kompetenzniveau 2.

PISA untersucht 15-Jährige. Die Ergebnisse zeigen weder, wann eine bestimmte Lücke entstanden ist, noch wie gut eine bestimmte Schule arbeitet. Für uns ist die Entwicklung aber ein deutlicher Anlass, den Voraussetzungen erfolgreichen Lernens mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Ein erheblicher Anteil der Jugendlichen erreicht das grundlegende Kompetenzniveau nicht. Der langfristige Trend gibt Anlass zur Sorge.

Neue Schwierigkeiten können alte Lücken sichtbar machen

In unserer Tätigkeit bei Upside Education begegnen wir häufig Kindern und Jugendlichen, deren aktuelle Schwierigkeiten mit älteren Lücken zusammenhängen und sich über Monate oder gar Jahre aufgebaut haben. Oft geht es um Inhalte aus der Primarschule, die später immer wieder gebraucht werden.

Bruchrechnen ist ein anschauliches Beispiel. Eine Jugendliche soll in der Sekundarschule eine Gleichung lösen. Sie versteht vielleicht den neuen Lösungsweg, gerät aber ins Stocken, sobald sie Brüche umformen muss. Dann lohnt es sich, genau dorthin zurückzukehren – also gedanklich zum Stoff der fünften oder sechsten Primarklasse: Was bedeutet ein Bruch? Weshalb verändert sich sein Wert beim Erweitern nicht? Wie hängen Brüche, Dezimalzahlen und Prozente zusammen, und wie lassen sie sich ineinander umwandeln? Was hat der Bruch mit der bereits bekannten Division zu tun?

Auch die Forschung unterstreicht die Bedeutung dieser Grundlagen. In einer Langzeitstudie mit Daten aus den USA und Grossbritannien hing das Verständnis von Brüchen und Division in der Primarschule mit den Mathematikleistungen fünf bis sechs Jahre später zusammen. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, als die Forschenden weitere Unterschiede zwischen den Kindern berücksichtigten.
(Siegler und Kollegen, 2012)

Ähnliches lässt sich am Lesen veranschaulichen: Wer einen Sachtext nur mühsam versteht, muss sich auch in Geschichte oder Naturwissenschaften stärker mit dem Entschlüsseln des Textes beschäftigen. Für die eigentliche Fragestellung bleibt dann weniger Aufmerksamkeit.

Deshalb sollten Grundlagen regelmässig aufgegriffen, erklärt und in unterschiedlichen Aufgaben angewendet werden – unabhängig vom Alter des Kindes. Viele Grundlagen werden in der Primarschule angelegt und in der Sekundarschule weiterentwickelt. Werden Lücken später sichtbar, gehört ihre gezielte Bearbeitung weiterhin zum Lernen dazu.

Um neuen Stoff zu verstehen, müssen Kinder auf Wissen zurückgreifen können, das sie bereits sicher beherrschen.

Planen und Organisieren brauchen angeleitete Übung

Mit zunehmendem Alter sollen Kinder mehr Verantwortung übernehmen: Hausaufgaben überblicken, Material bereithalten, Prüfungen vorbereiten. Diese Erwartungen setzen Fähigkeiten voraus, die im Alltag ausdrücklich geübt werden sollten.

Das kann bereits in der Primarschule einfach beginnen. Vor den Hausaufgaben schaut das Kind mit einer erwachsenen Person, was ansteht und womit es beginnen möchte. Später kommen Zeitabschätzungen und die Vorbereitung über mehrere Tage hinzu. Wie viel Begleitung nötig ist, hängt vom Entwicklungsstand und den bisherigen Erfahrungen ab.

An einer bevorstehenden Prüfung lässt sich das konkret üben:

  • Vorher klären: Welche Themen kommen vor? Was kann ich schon? Was muss ich noch üben?
  • Arbeit einteilen: Welche überschaubare Aufgabe nehme ich mir für welchen Tag vor?
  • Verständnis prüfen: Kann ich eine Aufgabe ohne Vorlage lösen und meinen Weg erklären?
  • Danach zurückschauen: Was hat funktioniert? Was ändere ich beim nächsten Mal?

Die Education Endowment Foundation empfiehlt auf Grundlage der Forschung, das Planen, Überprüfen und Auswerten des eigenen Lernens ausdrücklich zu vermitteln und an konkreten Unterrichtsinhalten zu üben.
(EEF-Leitfaden)

Wer damit früh beginnt, schafft Gelegenheiten zum Üben, bevor die Anforderungen steigen. Auch in der zweiten oder dritten Sekundarklasse können Jugendliche diese Fähigkeiten weiter aufbauen. Sie brauchen dafür nachvollziehbare Schritte und Unterstützung, die mit wachsender Sicherheit zurückgenommen wird.

Kalender, Agenda und Lernplan sind Hilfsmittel. Die Fähigkeit, sie sinnvoll einzusetzen, muss ein Kind erst lernen.

Wann Eltern genauer hinschauen sollten

Eine einzelne schlechte Note sagt wenig darüber aus, ob Grundlagen fehlen. Aufschlussreicher sind Muster, die sich über längere Zeit zeigen. Zum Beispiel:

  • Ihr Kind macht bei ähnlichen Aufgaben immer wieder denselben grundlegenden Fehler.
  • Es löst eine Aufgabe nach Vorlage, kann den Lösungsweg aber kaum erklären oder auf eine veränderte Aufgabe übertragen.
  • Es liest einen Text, hat danach jedoch Mühe, den Inhalt in eigenen Worten wiederzugeben.
  • Es verliert regelmässig den Überblick oder kann auch mit vereinbarten Hilfen kaum mit einer Aufgabe beginnen.

Solche Beobachtungen können unterschiedliche Ursachen haben. Ein ruhiges Gespräch hilft, mehr zu erfahren: «Zeig mir, bis wohin du es verstehst.» Oder: «Was macht den Anfang gerade schwierig?» Auch Fragen nach den Grundlagen («Kannst du mir erklären, was ein Bruch bedeutet?») helfen, sich möglichen Lücken bewusst zu werden.

Wenn sich ein Muster wiederholt, bringen Sie konkrete Beispiele ins Gespräch mit der Lehrperson ein. So lässt sich gemeinsam klären, was Ihr Kind braucht.

Wiederkehrende Schwierigkeiten sind ein Anlass, gemeinsam nach der Ursache zu suchen.

Wie Unterstützung zunehmend selbstständig macht

Am Anfang steht eine möglichst genaue Standortbestimmung. Beim Bruchrechnen könnte sich zeigen, dass das Kind Brüche vergleichen kann, beim Erweitern aber noch unsicher ist. Daraus ergibt sich ein überschaubares Lernziel. Anschliessend wird gemeinsam geprüft, ob es das Gelernte erklären und bei neuen Aufgaben anwenden kann.

Beim Organisieren gilt derselbe Gedanke. Zunächst planen Sie vielleicht gemeinsam die nächsten zwei Nachmittage. Später macht Ihr Kind einen eigenen Vorschlag, den Sie zusammen anschauen. Mit zunehmender Sicherheit übernimmt es mehr Verantwortung.

Unterstützung sollte zum tatsächlichen Bedarf passen und mit der Schule abgestimmt sein; bei anhaltenden Schwierigkeiten kann ergänzende fachliche Begleitung sinnvoll sein.

Bei Upside Education verbinden wir deshalb die Arbeit an
fachlichen Lücken mit Lernplanung und regelmässigen Rückmeldungen zum Fortschritt. Uns interessiert, was ein Kind inzwischen versteht und wie es sein Lernen zunehmend selbst steuern kann.

Gute Begleitung setzt an einer konkreten Schwierigkeit an und hilft dem Kind, den nächsten Schritt selbst zu bewältigen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Grundlagen sichern: Ältere Lücken können das Lernen neuer Inhalte erschweren.
  • Früh hinschauen: Wiederkehrende Unsicherheiten gemeinsam mit Kind und Lehrperson klären.
  • Lernplanung üben: Selbstständigkeit entsteht durch angeleitete Schritte.
  • Nachholen lohnt sich: Grundlagen und Lernstrategien lassen sich auch später weiterentwickeln.

Fazit: Genau hinschauen und gezielt begleiten

Für Eltern kann der erste Schritt klein sein: Lassen Sie sich eine aktuelle Aufgabe erklären und hören Sie zu, wo Ihr Kind sicher ist und wo es stockt. So wird deutlich, welche Grundlage noch unsicher ist oder an welcher Stelle Unterstützung beim Planen und Vorgehen hilft.

Aus «Hast du genug gelernt?» wird damit eine konkretere Frage:

✦ «Was brauchst du, damit du hier weiterkommst?»

Sie möchten besser verstehen, welche Unterstützung Ihrem Kind hilft? Vereinbaren Sie ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch. Gemeinsam besprechen wir Ihre Beobachtungen und mögliche nächste Schritte.

Quellen

SBFI und EDK (2026): OECD publiziert die PISA-Ergebnisse 2025
Medienmitteilung vom 8. September 2026.

OECD (2026): PISA 2025 Results, Volume I – Country Note: Switzerland

Siegler, R. S., und Kollegen (2012): Early Predictors of High School Mathematics Achievement
.Psychological Science, 23(7), 691–697.

Education Endowment Foundation: Metacognition and Self-Regulated Learning
.Forschungsbasierter Leitfaden zur Förderung selbstregulierten Lernens.

Lernen mit ADHS: Herausforderungen verstehen, Stärken erkennen, gezielt unterstützen

ADHS bedeutet nicht nur Ablenkung, Unruhe oder Konflikte rund ums Lernen. Wer die eigenen Muster versteht, kann Schwierigkeiten gezielter auffangen – und Stärken bewusst nutzen. Genau darin liegt oft der entscheidende Unterschied.

Was ist ADHS – und wie häufig ist es?

ADHS ist eine meist im Kindesalter auftretende Entwicklungsstörung. Typisch sind Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität. Wichtig ist dabei: ADHS sieht nicht bei jedem Kind gleich aus. Manche Kinder sind sehr impulsiv und sichtbar unruhig. Andere wirken eher verträumt, vergessen viel oder haben Mühe, Aufgaben zu Ende zu bringen. Genau deshalb ist ein differenzierter Blick so wichtig. Das Bundesamt für Gesundheit betont ausdrücklich, dass die Ausprägungen sehr unterschiedlich sein können und auch der Leidensdruck stark variiert. (Bundesamt für Gesundheit BAG)

Bei der Frage, wie häufig ADHS ist, lohnt sich Vorsicht. Für die Schweiz gibt es keine einheitliche „eine richtige Zahl“. Je nach Studie und Methode unterscheiden sich die Angaben deutlich. Im BAG-FOKUS-Bericht wird auf frühere Schweizer Daten verwiesen, wonach rund 4 bis 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Schulalter betroffen sein könnten. Ein anderer Schweizer Bundesbericht nennt eine Grössenordnung von 3 bis 5 Prozent. Neuere internationale Übersichtsarbeiten zeigen zusätzlich, dass die Resultate stark davon abhängen, wie gemessen wird: Registerstudien kommen auf deutlich tiefere Werte als Befragungen oder klinische Studien. Steigende Diagnosen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass die „wahre“ Prävalenz im selben Ausmass steigt. (BAG-FOKUS-Bericht; Bundesratsbericht/BAG; Popit et al., 2024)

✦ ADHS zeigt sich sehr unterschiedlich – pauschale Zahlen und einfache Schubladen greifen deshalb oft zu kurz.

 

Warum ist Lernen mit ADHS im Schulalltag oft so anstrengend?

Im Schulalltag geht es nicht nur darum, „sich zu konzentrieren“. Kinder müssen Aufgaben anfangen, Material organisieren, Anweisungen behalten, Ablenkungen ausblenden, Frust aushalten, Fehler unter Zeitdruck vermeiden und sich immer wieder selbst steuern. Genau diese Prozesse sind für viele Kinder mit ADHS besonders anspruchsvoll. Forschung zeigt klar, dass ADHS mit schwächeren schulischen Leistungen, schlechteren Ergebnissen in Lesen und Mathematik und einem erhöhten Risiko für schulische Schwierigkeiten verbunden sein kann. Das heisst nicht, dass jedes Kind mit ADHS schlechte Leistungen hat – aber es bedeutet, dass der Schulalltag für viele deutlich mehr Kraft kostet. (Loe & Feldman, 2007)

Für Eltern zeigt sich das oft zuhause: Hausaufgaben dauern ewig, Abende werden von Erinnern, Ermahnen und Diskussionen geprägt, und irgendwann leidet die Beziehung. Auch für Lehrpersonen ist die Situation anspruchsvoll. Sie möchten helfen, müssen aber gleichzeitig eine ganze Klasse führen. Darum ist ADHS nie nur eine Eigenschaft des Kindes – es ist auch eine Frage der Passung zwischen Kind, Anforderungen, Umfeld und Unterstützung. (Bundesamt für Gesundheit BAG)

✦ Die Herausforderung liegt oft nicht im Können, sondern darin, Aufmerksamkeit, Impulse, Frust und Organisation gleichzeitig zu steuern.

 

ADHS nur als Defizit zu sehen, greift zu kurz

So wichtig ein realistischer Blick auf die Schwierigkeiten ist: Ebenso wenig hilfreich ist es, ADHS nur problemorientiert zu sehen. In den letzten Jahren haben mehrere Studien gezeigt, dass viele Betroffene auch positive Seiten beschreiben – etwa Kreativität, Spontaneität, Humor, hohe Energie, starken inneren Antrieb oder Hyperfokus in Situationen, die sie wirklich interessieren. Das bedeutet nicht, dass ADHS pauschal eine „Superpower“ ist. Für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist ADHS mit echtem Leidensdruck verbunden. Aber es ist ebenso falsch, nur Defizite zu sehen. Die ausgewogenere Perspektive lautet: ADHS kann Schwierigkeiten mit sich bringen – und gleichzeitig Ressourcen. Je besser jemand die eigenen Muster kennt, desto eher lassen sich diese bewusst nutzen. Viel Energie kann im falschen Rahmen stören, im richtigen Rahmen aber enorm wertvoll sein. (Sedgwick, Merwood & Asherson, 2019)

✦ ADHS kann belasten – aber auch mit Energie, Kreativität und starkem Fokus auf Interessengebiete verbunden sein.

 

Was leistet das Schulsystem?

Die Schule ist nicht machtlos. Im Kanton Zürich gibt es verschiedene Unterstützungsangebote innerhalb der Volksschule. Besonders wichtig ist die Integrative Förderung (IF). Sie unterstützt Kinder unter anderem beim allgemeinen Lernen und baut auf ihren Stärken auf. Hinzu kommt der Schulpsychologische Dienst, der Eltern, Lehrpersonen und Schulen bei Fragen zur Entwicklung und Förderung von Kindern berät. Diese Leistungen sind für Eltern kostenlos. Je nach Situation kann auch ein Nachteilsausgleich geprüft werden, damit Kinder mit einer Beeinträchtigung unter faireren Bedingungen geprüft werden können. In der Zürcher Broschüre zum Nachteilsausgleich wird ADHS ausdrücklich als Beispiel erwähnt – etwa wenn ein Kind während einer Prüfung kurz aufstehen und sich bewegen darf. (Kanton Zürich)

Gleichzeitig zeigt die Forschung auch: Nicht jede Standardmassnahme wirkt automatisch stark. Eine systematische Übersichtsarbeit kam zum Schluss, dass die Evidenz für viele schulische accommodations begrenzt ist. Das spricht nicht gegen Unterstützung – sondern gegen schematische Lösungen. Entscheidend ist, was zu diesem konkreten Kind passt. Genau darin liegt auch die Stärke guter pädagogischer Arbeit: nicht einfach Massnahmenlisten abarbeiten, sondern hinschauen, anpassen und eng zusammenarbeiten. (Lovett & Nelson, 2021)

✦ Die Schule kann unterstützen – aber wirksam wird Förderung vor allem dann, wenn sie wirklich zum einzelnen Kind passt.

 

Wie können Eltern ihr Kind konkret unterstützen?

Eltern müssen nicht Lehrperson oder Therapeutin werden. Aber sie können die Lernumgebung so gestalten, dass ihr Kind bessere Chancen hat, ins Tun zu kommen. Gut belegt ist das sogenannte Behavioral Parent Training beziehungsweise Elterntraining im Umgang mit Verhalten. Die CDC fasst zusammen, dass Elterntrainings Kindern helfen können, Verhalten, Selbstkontrolle und Selbstwert zu verbessern. Im Lernalltag heisst das oft etwas sehr Praktisches: ein klarer Arbeitsplatz, möglichst wenig Ablenkung, kleine und überschaubare Arbeitsschritte, kurze Rückmeldeschlaufen und konkretes positives Feedback. Nicht „Konzentrier dich doch einfach“, sondern zum Beispiel: „Lies zuerst nur Aufgabe 1“, „markiere die wichtigsten Informationen“ oder „du hast heute ohne Diskussion begonnen“. (CDC)

Hilfreich ist oft auch die Frage: Wann klappt es besser? Zu welcher Tageszeit? Mit welcher Länge? Mit welchen Pausen? Mit welcher Art von Erklärung? Viele Kinder mit ADHS sind nicht grundsätzlich unmotiviert. Sie brauchen häufiger eine Umgebung, die besser zu ihrem Profil passt. Das BAG betont ebenfalls, dass Unterstützung individuell und multimodal gedacht werden sollte. (Bundesamt für Gesundheit BAG)

✦ Klare Struktur, kleine Schritte und konkretes Feedback helfen oft mehr als Druck oder ständige Ermahnungen.

 

Unsere Erfahrung

Aus unserer Sicht ist ADHS ein sehr breites Spektrum. Vergleiche innerhalb dieser Gruppe sind oft wenig hilfreich. Das eine Kind kämpft vor allem mit Organisation, das andere mit Ausdauer, ein weiteres mit Frustration oder Prüfungsstress. Genau deshalb ist individualisierte Förderung so wichtig. Was in der Schule im Klassenverband nur begrenzt möglich ist, lässt sich in der individuellen Lernbegleitung oft gezielter umsetzen: Lernziele sichtbar machen, Aufgaben strukturieren, wirksame Lernstrategien aufbauen, Fortschritt festhalten und die Lernumgebung auf das Kind abstimmen. Unser eigener Ansatz baut genau auf solchen Prinzipien auf: individualisierte Förderung, Motivation, Lernstrategien, Selbstregulation und sichtbare Fortschritte.

✦ Was im Klassenverband oft nur begrenzt möglich ist, kann in der individuellen Förderung gezielt aufgebaut und sichtbar gemacht werden.

 

Highlights

  • ADHS ist nicht bei jedem Kind gleich.- Prävalenzzahlen hängen stark davon ab, wie gemessen wird. 
  • Schule kann unterstützen, stösst im Alltag aber oft an praktische Grenzen. 
  • Eltern können im Lernalltag sehr konkret helfen – mit Struktur, kleinen Schritten und klarem Feedback. 
  • ADHS bringt nicht nur Herausforderungen mit sich, sondern kann auch mit Energie, Kreativität und Hyperfokus verbunden sein.
  • Entscheidend ist nicht ein Standardrezept, sondern die Passung zwischen Kind, Umfeld und Unterstützung.

Fazit

ADHS sollte weder verharmlost noch romantisiert werden. Es ist eine reale Entwicklungsstörung, die Lernen und Alltag deutlich beeinflussen kann. Gleichzeitig greift ein rein defizitärer Blick zu kurz. Viele Kinder und Erwachsene mit ADHS bringen auch wertvolle Ressourcen mit. Gute Unterstützung bedeutet deshalb beides: Herausforderungen ernst nehmen und Stärken gezielt entwickeln. Für Eltern heisst das vor allem: genau hinschauen, das eigene Kind gut kennenlernen und nicht nur fragen, was nicht funktioniert, sondern auch, wann es besser funktioniert – und warum. Genau dort beginnt oft die wirksamste Unterstützung.

✦ ADHS braucht weder Romantisierung noch vorschnelle Urteile – sondern Verständnis, passende Strukturen und einen individuellen Blick.

 

ADHS braucht keine vorschnellen Urteile – sondern ein gutes Verständnis, klare Strukturen und einen Ansatz, der wirklich zum Kind passt. Wenn Sie besser verstehen möchten, wie Ihr Kind entspannter und wirksamer lernen kann, sprechen Sie mit uns.

Quellen

Die unsichtbaren Faktoren erfolgreichen Lernens

Erfolgreiches Lernen entsteht nicht nur durch Fachwissen, sondern durch das Zusammenspiel von Umfeld, Selbstbild, Motivation, Selbstregulation und Kompetenzaufbau.

Kurzfassung

Lernerfolg wird im Alltag oft zu stark an sichtbaren Ergebnissen wie Noten, Prüfungen und Fachkompetenz gemessen. Dabei zeigt die Forschung klar: Nachhaltige Entwicklung entsteht auf mehreren Ebenen. Entscheidend sind nicht nur Wissen und Übung, sondern auch Bedingungen wie Schlaf, emotionale Sicherheit und Lernumgebung, ebenso wie Selbstbild, Motivation, Selbstregulation, Lernstrategien und wirksames Feedback. Die Pyramide von Upside Education soll genau diese Zusammenhänge sichtbar machen. Sie zeigt, warum Lernen mehr ist als Stoffvermittlung — und warum gute Förderung dort ansetzt, wo die tatsächlichen Ursachen von Fortschritt oder Blockaden liegen. Für Eltern und Lehrpersonen bedeutet das: weniger vorschnelle Urteile, mehr differenziertes Hinschauen und ein ganzheitlicher Blick auf Entwicklung.

Highlights

  • Lernen ist kein eindimensionaler Prozess, sondern entsteht auf mehreren, miteinander verbundenen Ebenen.
  • Sichtbare Leistung baut auf tieferliegenden Voraussetzungen wie Motivation, Selbstbild, Selbstregulation und Umfeld auf.
  • Wer nur auf Noten und Fachwissen schaut, übersieht oft die eigentlichen Ursachen von Fortschritt oder Blockaden.
  • Erfolgreiche Entwicklung entsteht dort, wo Fundament, innere Haltung, Ausrichtung und Lernverhalten zusammenwirken.
  • Die Pyramide macht sichtbar, warum nachhaltiges Lernen mehr ist als Stoffvermittlung.
  • Genau darin liegt der Wert eines ganzheitlichen, wissenschaftlich fundierten Lernansatzes.

 

Einleitung

Wenn über schulischen Erfolg gesprochen wird, richtet sich der Blick meist auf das Sichtbare: Noten, Prüfungen, Fachwissen, Kompetenzen. Doch Lernen entsteht nicht an der Oberfläche. Ob ein Kind oder Jugendlicher nachhaltig Fortschritte macht, hängt von weit mehr ab als vom blossen Beherrschen von Stoff. Forschung aus der Lernpsychologie, Motivationsforschung und Bildungswissenschaft zeigt seit Jahren, dass Lernerfolg von mehreren sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren abhängt — von Vorwissen über Motivation und Selbstregulation bis hin zu Feedback, Beziehung und Kontextbedingungen.

Genau deshalb kann es hilfreich sein, Lernen nicht eindimensional, sondern als Zusammenspiel mehrerer Ebenen zu betrachten.

Schulischer Erfolg ist weit mehr als Noten, Fachwissen und analytisches Denken, sondern entsteht durch das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. 

Ein Modell, das Komplexität sichtbar macht

Um diese Zusammenhänge greifbarer zu machen, arbeiten wir bei Upside Education mit einem pyramidenförmigen Modell. Es soll nicht suggerieren, dass Lernen vollständig in eine Grafik gepackt werden kann. Aber es hilft, eine oft übersehene Tatsache sichtbar zu machen: Das, was wir oben sehen — zum Beispiel Fachkompetenz, Ausdrucksfähigkeit, Transfer oder schulische Leistung — baut auf tieferliegenden Voraussetzungen auf.

Die Pyramide unterscheidet vier Ebenen und ein Fundament:

  • Fundament: Bedingungen & Umfeld
  • Ebene 1: Innerer Rahmen
  • Ebene 2: Sinn, Motivation & Ausrichtung
  • Ebene 3: Selbstregulation, Strategien & Systeme
  • Ebene 4: Wissen, Kompetenzen & Transfer

Die Logik dahinter ist einfach: Sichtbare Leistung entsteht selten isoliert. Sie entwickelt sich dort, wo mehrere Voraussetzungen zusammenkommen — körperliche und emotionale Stabilität, ein konstruktives Selbstbild, Motivation, wirksame Lernstrategien und darauf aufbauend Verständnis, Anwendung und Transfer. Diese Sicht passt sehr gut zu aktuellen bildungswissenschaftlichen Rahmenmodellen der OECD, die Lernen ebenfalls als Zusammenspiel von Wissen, Kompetenzen, Haltungen, Selbstregulation, Agency, Vertrauen und Wohlbefinden beschreiben.

Infografische Lernpyramide mit fünf Ebenen: Rahmenbedingungen und Umfeld als Fundament, darüber innerer Rahmen, Sinn und Motivation, Selbstregulation und Strategien sowie Wissen, Kompetenzen und Transfer an der Spitze.

Wer Lernen ganzheitlich betrachtet, erkennt klarer, was Entwicklung trägt — und woran sie im Alltag oft scheitert.

Das Fundament: Bedingungen und Umfeld

Jede Entwicklung beginnt mit Bedingungen. Schlaf, körperliches Wohlbefinden, emotionale Sicherheit, Beziehungen, Lernumgebung, unterstützende Strukturen und der Umgang mit Ablenkung sind keine Randthemen. Sie bilden den Boden, auf dem Lernen überhaupt erst tragfähig wird.

Die OECD beschreibt in ihren Concept Notes zu den „Core Foundations“ und zu „Trust“, dass Lernen immer in einem grösseren Zusammenhang von Wohlbefinden, sozialen Beziehungen, Vertrauen und Kontextbedingungen steht. Student Agency entwickelt sich laut OECD nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Klima des Vertrauens zwischen Lernenden, Lehrpersonen, Eltern und Umfeld.

Praktisch bedeutet das: Ein Kind, das dauerhaft erschöpft ist, sich unsicher fühlt, in einer belasteten Umgebung lebt oder in einem stark ablenkenden Setting lernen muss, bringt schlechtere Voraussetzungen mit — selbst dann, wenn es grundsätzlich interessiert oder intelligent ist. Gerade diese Ebene wird im Alltag häufig unterschätzt, obwohl sie für Fokus, Belastbarkeit und Lernbereitschaft zentral ist.

Grafik des Fundaments einer Lernpyramide mit dem Titel „Das Fundament“ und den Bereichen Schlaf, Gesundheit, Bewegung, emotionale Sicherheit, Beziehungen, Lernumgebung, Unterstützungsstrukturen und Ablenkungsmanagement.

Gute Lernentwicklung beginnt mit Bedingungen, die Konzentration, Sicherheit und innere Stabilität überhaupt erst ermöglichen.

Ebene 1: Innerer Rahmen

Lernen ist nicht nur ein kognitiver Prozess, sondern auch ein interpretativer. Kinder und Jugendliche lernen immer auch durch die Brille ihres Selbstbildes: Kann ich das? Bin ich jemand, der lernen kann? Sind Fehler Teil meines Weges — oder ein Beweis gegen mich?

Forschung zu Selbstwirksamkeit und Motivation zeigt, dass die Art, wie Lernende ihre Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten wahrnehmen, starken Einfluss auf Anstrengung, Ausdauer und Lernverhalten hat. Selbstwirksamkeit ist dabei nicht bloss ein „gutes Gefühl“, sondern eng mit Zielverfolgung, Anstrengungsbereitschaft und dem Umgang mit Schwierigkeiten verbunden.

Deshalb ist es pädagogisch verkürzt, nur auf Leistung zu schauen. Ein Kind, das sich innerlich längst als „schlecht in Mathe“, „chaotisch“ oder „nicht sprachbegabt“ erlebt, verarbeitet Übung, Rückmeldung und Misserfolg anders als ein Kind, das Entwicklung als möglich erlebt. Themen wie Achtsamkeit, Umgang mit Fehlern, emotionale Bewusstheit, Selbstgespräch und Wachstumsdenken gehören deshalb nicht in die Esoterik-Ecke, sondern berühren reale Voraussetzungen erfolgreichen Lernens. Auch die Self-Determination Theory unterstreicht, wie eng Motivation, Wohlbefinden und Lernverhalten mit der subjektiven Erfahrung von Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit verknüpft sind.

Grafik der ersten Ebene einer Lernpyramide mit dem Titel „Innerer Rahmen – Wahrnehmung, Interpretation & Identität“ und den Bereichen Achtsamkeit, Dankbarkeit und Positivität, Affirmationen, Wachstumsdenken, Identitätsnarrative und emotionale Bewusstheit.

Die Qualität des Lernens beginnt auch im Inneren: im Selbstbild, im Umgang mit Fehlern und im Vertrauen in Entwicklung.

Ebene 2: Sinn, Motivation und Ausrichtung

Motivation wird im Alltag oft zu simpel verstanden. Kinder gelten schnell als „motiviert“ oder „unmotiviert“, als wäre Motivation eine fixe Eigenschaft. Die Forschung zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild.

Ryan und Deci zeigen, dass Motivation stark davon beeinflusst wird, ob Menschen Autonomie erleben, sich kompetent fühlen und sich in Beziehungen eingebunden erleben. Motivation wächst also nicht einfach durch Druck oder Appelle, sondern dort, wo Lernende Sinn sehen, Fortschritt erleben und das Gefühl haben, dass ihre Anstrengung etwas mit ihren eigenen Zielen und ihrer Entwicklung zu tun hat.

Das erklärt auch, weshalb die OECD Fähigkeiten wie Student Agency, Selbstregulation, Orientierung, verantwortliches Handeln und transformative Kompetenzen so stark betont. Wer dauerhaft lernen und sich entwickeln soll, braucht mehr als Stoffkontakt: Er oder sie braucht Richtung, Bedeutsamkeit und die Erfahrung, dass Lernen nicht bloss eine äussere Pflicht ist, sondern mit dem eigenen Leben zusammenhängt.

Grafik der zweiten Ebene einer Lernpyramide mit dem Titel „Sinn, Motivation & Ausrichtung“ und den Bereichen Visualisierung von Zielen, Verknüpfung heutiger Aufgaben mit übergeordneten Zielen, Fortschritte feiern, der Wert von Bildung, Verbundenheit und die Relevanz von Kommunikation.

Lernen gewinnt Kraft, wenn Kinder verstehen, wofür sich Anstrengung lohnt und worauf ihr Weg ausgerichtet ist.

Ebene 3: Selbstregulation, Lernstrategien und Systeme

Viele Lernprobleme sind keine reinen Wissensprobleme. Häufig scheitert Entwicklung daran, dass Kinder und Jugendliche nicht wissen, wie sie lernen sollen, wie sie beginnen, wie sie wiederholen, wie sie mit Frust umgehen oder wie sie ihren Lernprozess beobachten und anpassen können.

Barry Zimmerman beschreibt selbstreguliertes Lernen als die Fähigkeit, eigene Lernprozesse aktiv zu planen, zu überwachen und zu steuern. Selbstregulierte Lernende erleben Lernen nicht als zufälligen Vorgang, sondern als etwas, das systematisch beeinflusst werden kann.

Dazu kommen konkrete Lerntechniken. Die Forschung zu wirksamen Lernstrategien zeigt recht klar, dass nicht jede verbreitete Methode gleich gut funktioniert. Dunlosky und Kollegen bewerten insbesondere Practice Testing und Distributed Practice als besonders nützlich; andere populäre Strategien wie blosses Wiederlesen oder Markieren sind deutlich weniger verlässlich.

Auch Feedback gehört hierhin. Hattie und Timperley zeigen, dass Feedback ein starker Einflussfaktor auf Lernen sein kann — allerdings nicht automatisch. Entscheidend ist, welches Feedback wann und auf welcher Ebene gegeben wird. Rückmeldungen, die Lernfortschritt, Strategie und nächste Schritte sichtbar machen, wirken anders als vage Bewertungen oder personenbezogenes Lob.

Ebene 3 ist damit gewissermassen das operative Zentrum der Pyramide: Hier wird aus Motivation verlässliches Handeln.

Grafik der dritten Ebene einer Lernpyramide mit dem Titel „Selbstregulation, Strategien & Systeme“ und den Bereichen Planung und Organisation, Aufgabenzerlegung, Wiederholung und Abruf, Fokusstrategien, Belohnungssysteme, emotionale Regulation, Stressmanagement, Problemlösen sowie Rückblick und Neuplanung.

Nachhaltiger Fortschritt entsteht, wenn Motivation in klare Gewohnheiten, wirksame Strategien und verlässliches Handeln übersetzt wird.

Ebene 4: Wissen, Kompetenzen und Transfer

Oben in der Pyramide liegt das Sichtbare: Wissen, Können, Ausdrucksfähigkeit, Transfer, Fachkompetenz. Doch gerade diese Ebene wird im Alltag häufig missverstanden. Fachkompetenz ist nicht einfach etwas, das man isoliert „hineintrainiert“. Sie ist in vielen Fällen das Resultat eines funktionierenden Gesamtsystems.

Besonders wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen isoliertem Wissen und vernetztem Verständnis. Forschung zu Vorwissen und Lernen zeigt, dass Vorwissen eine zentrale Rolle dafür spielt, wie gut neue Inhalte verstanden, eingeordnet und angewendet werden können. Wenn neue Inhalte mit bereits Bekanntem verknüpft werden, steigen Verständnis, Anwendbarkeit und Behalten.

Genau deshalb ist Transfer so bedeutsam. Transfer zeigt, dass Lernen nicht bei Wiedererkennung stehen bleibt, sondern in neue Kontexte übertragen werden kann. Und genau deshalb sind Kommunikationskompetenzen so zentral: Wer erklären, strukturieren, argumentieren und zuhören kann, lernt oft tiefer und nachhaltiger. Die OECD betont im Learning Compass ebenfalls, dass junge Menschen nicht nur Wissen speichern, sondern es in unbekannten und sich verändernden Situationen anwenden müssen — mit kognitiven, metakognitiven, sozialen und praktischen Fähigkeiten.

Ebene 4 ist also nicht einfach die „Stoff-Ebene“. Sie ist die Ebene, auf der sichtbar wird, ob Lernen tragfähig geworden ist.

Grafik der vierten Ebene einer Lernpyramide mit dem Titel „Wissen, Kompetenzen & Transfer“ und den Bereichen vernetztes Wissen, Kommunikationsfähigkeiten, Fachkompetenz, analytisches Denken, selbstgesteuertes Lernen, transferierbare Kompetenzen und Anwendung in der realen Welt.

Wirkliches Können zeigt sich dort, wo Wissen verstanden, angewendet, erklärt und in neue Zusammenhänge übertragen werden kann.

Warum diese Perspektive für Eltern und Lehrpersonen wichtig ist

Wer Lernen so betrachtet, wird vorsichtiger mit schnellen Urteilen. Schlechte Leistungen sind dann nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Begabung. Genauso wenig sind gute Leistungen immer bloss Ausdruck von Disziplin. Häufig lohnt sich die Frage: Auf welcher Ebene liegt die eigentliche Hürde?

Fehlt Vorwissen? Ist die Lernumgebung zu chaotisch? Ist das Kind demotiviert? Gibt es kaum Selbstregulation? Wird zu wenig wirksames Feedback gegeben? Oder fehlt es an Zielklarheit und dem Gefühl, dass Lernen überhaupt Sinn macht?

Gerade für Eltern kann diese Sicht entlastend und zugleich handlungsleitend sein. Sie verschiebt den Fokus weg vom blossen Symptom — etwa der letzten Mathenote — hin zu den Bedingungen, aus denen diese Note entstanden ist. Für Lehrpersonen und Lernbegleiter schafft sie eine gemeinsame Sprache: Statt nur über „mehr üben“ oder „mehr Einsatz“ zu sprechen, kann differenzierter gefragt werden, welcher Faktor gerade am meisten Unterstützung braucht. Forschung zu Motivation, Feedback, Selbstregulation und Lernstrategien legt nahe, dass genau diese Differenzierung einen Unterschied macht.

Wer genauer hinschaut, kann gezielter helfen — und erkennt hinter sichtbaren Leistungen die eigentlichen Hebel von Entwicklung.

Wo sich Upside Education hier positioniert

Wir verstehen die Pyramide nicht als grosse Neuerfindung und auch nicht als abgeschlossene Theorie. Für uns ist sie vor allem eine strukturierende Denk- und Gesprächshilfe, die sichtbar macht, wie vielfältig die Faktoren sind, die erfolgreiche Entwicklung und Lernen beeinflussen.

Genau hier positioniert sich auch unser Ansatz. Wir helfen Schülerinnen und Schülern nicht nur dabei, Stoff besser zu verstehen, sondern sich über alle relevanten Faktoren hinweg weiterzuentwickeln: im Verständnis, in der Motivation, in der Selbstregulation, im Umgang mit Feedback, in Lernstrategien und im Aufbau von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wir gehen diese Entwicklung ganzheitlich und gemeinsam mit den Lernenden an, statt Lernen auf reine Stoffvermittlung zu reduzieren.

Unser Anspruch ist dabei, wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praktisch wirksam zu arbeiten: mit Blick auf das einzelne Kind, auf seine konkreten Hürden und auf die Faktoren, die seine Entwicklung tatsächlich tragen.

Unser Anspruch ist es, Lernende nicht nur fachlich zu stärken, sondern sie in ihrer gesamten Entwicklung wirksam zu begleiten. 

Fazit

Erfolgreiches Lernen ist fast nie das Produkt eines einzelnen Tricks. Es entsteht dort, wo mehrere Ebenen zusammenspielen: tragfähige Bedingungen, ein konstruktiver innerer Rahmen, Motivation und Sinn, Selbstregulation und wirksame Lernstrategien — und darauf aufbauend Wissen, Können und Transfer.

Die eigentliche Stärke eines solchen Modells liegt deshalb nicht darin, Komplexität künstlich zu vereinfachen, sondern darin, sie besser sichtbar zu machen. Genau das ist aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung für gute Bildung: nicht vorschnell zu urteilen, sondern genauer hinzusehen, wo Lernen getragen — oder behindert — wird.

Gute Bildung entfaltet ihre stärkste Wirkung dort, wo Lernen in seiner ganzen Tiefe verstanden und bewusst gefördert wird. Denn nachhaltiges Lernen entsteht nicht zufällig — es wächst dort, wo seine Voraussetzungen erkannt und bewusst gestärkt werden

Zentrale Quellen

Möchten Sie besser verstehen, welche Faktoren das Lernen Ihres Kindes wirklich beeinflussen — und wo gezielte Unterstützung am meisten bewirken kann? Wir freuen uns auf ein unverbindliches Erstgespräch.

Social Media, digitales Lernen und politischer Aktionismus

Social Media kann Jugendlichen schaden – aber Verbote allein lösen das Problem nicht. Entscheidend sind Nutzung, Begleitung und der Schutz von Fokus, Schlaf und Selbstregulation.

Kurzfassung

Weltweit reagieren Regierungen mit neuen Altersgrenzen und härteren Regeln für Social Media. Das ist verständlich – aber vermutlich nicht genug. Die Forschung zeigt: Die Risiken für Jugendliche sind real, vor allem bei problematischer Nutzung, Schlafmangel, Dauerablenkung und algorithmisch verstärkten Inhalten. Gleichzeitig ist nicht jedes Digitale schädlich. Entscheidend sind Art der Nutzung, Selbstregulation, Begleitung und Lernkontext. Für Eltern bedeutet das: Nicht Panik und nicht Laisser-faire, sondern genau hinschauen, gemeinsam reflektieren und konkrete Gewohnheiten verändern.

Highlights

  • Politik zieht an: Immer mehr Länder verschärfen den Zugang zu Social Media für Minderjährige – doch die Wirksamkeit dieser Massnahmen ist bisher nicht sauber belegt.
  • Die Sorge ist berechtigt: Es gibt ernstzunehmende Hinweise auf Risiken für Schlaf, psychische Gesundheit, Aufmerksamkeit und Wohlbefinden – vor allem bei problematischer Nutzung.
  • Short-form Social Media ist besonders kritisch: Die Forschung zeigt Warnsignale bei TikTok-, Reels- und Shorts-ähnlichen Formaten, auch wenn viele Studien noch korrelativ sind.
  • Nicht jedes Digitale ist das Problem: Digitale Lernmittel können sinnvoll sein. Problematisch wird es dort, wo Reizüberflutung, Ablenkung und oberflächliche Verarbeitung dominieren.
  • Für Eltern zählt die konkrete Umsetzung: Klare Regeln, gemeinsame Reflexion und kleine, realistische Verhaltensänderungen sind meist wirksamer als pauschale Verbote.

1. Die Politik reagiert – aber schneller als die Evidenz

In den letzten Monaten hat sich die Debatte stark verschärft. Immer mehr Länder verschärfen den Zugang von Minderjährigen zu sozialen Medien. Das zeigt, wie gross die Sorge inzwischen ist. Gleichzeitig ist die Wirksamkeit dieser Massnahmen bisher nur begrenzt belegt. Altersgrenzen allein lösen das Problem sehr wahrscheinlich nicht. Jugendliche können Regeln umgehen, auf andere Plattformen ausweichen oder fremde Accounts nutzen. Wer nur auf Verbote setzt, behandelt ein komplexes Entwicklungs- und Plattformproblem so, als gäbe es einen einfachen Schalter: Zugang sperren, Problem gelöst. Genau das ist sehr wahrscheinlich nicht der Fall.

Die OECD schreibt ausdrücklich, dass Altersgrenzen kein Wundermittel sind und dass es für belastbare Aussagen zur Wirksamkeit vieler neuer Regeln noch zu früh ist. UNICEF warnt zudem, dass solche Einschränkungen echte Sorgen spiegeln, aber auch nach hinten losgehen können, wenn Kinder und Jugendliche einfach auf Umgehungslösungen oder weniger regulierte Räume ausweichen.

Viele Staaten handeln. Ob es wirkt, wissen wir noch nicht. 

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
OECD: Social media age restrictions for children · UNICEF: Age restrictions alone won’t keep children safe online · UK Government: Growing up in the online world

2. Die Sorge ist berechtigt – aber nicht jede Nutzung ist gleich problematisch

Man muss bei diesem Thema weder in Alarmismus noch in Verharmlosung verfallen. Die seriöse wissenschaftliche Linie ist: Social Media kann Jugendlichen durchaus etwas geben – etwa Zugehörigkeit, Information oder sozialen Anschluss. Gleichzeitig gibt es echte Risiken, besonders bei problematischer oder exzessiver Nutzung. Dazu gehören Schlafprobleme, Dauerablenkung, psychische Belastung, soziale Vergleichsdynamiken und die Verdrängung anderer wichtiger Aktivitäten.

Entscheidend ist dabei: Nicht jede Jugendliche und nicht jeder Jugendliche reagiert gleich. Alter, Persönlichkeit, psychische Ausgangslage, Art der Inhalte und familiäre Begleitung machen einen grossen Unterschied. Genau deshalb ist eine differenzierte Sicht so wichtig. Es wäre falsch zu sagen: „Social Media schadet immer.“ Es wäre aber ebenso falsch zu sagen: „Das ist alles nur moral panic.“ Die Risiken sind real – nur eben nicht bei allen gleich stark und nicht in derselben Form.

Die Risiken von Social Media für Jugendliche sind real, aber sie treffen nicht alle gleich.  

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
U.S. Surgeon General: Social Media and Youth Mental Health · OECD: How’s Life for Children in the Digital Age?

3. Short-form Social Media steht besonders unter Verdacht

Besonders kritisch diskutiert werden heute Plattformmechaniken wie TikTok, Reels und Shorts: kurze Inhalte, sofortige Belohnung, endloses Weiterscrollen, starke Personalisierung. Hier ist die Forschung noch jünger als bei Social Media allgemein. Trotzdem zeigt sich eine klare Richtung: Intensivere Nutzung solcher Kurzvideo-Formate steht in mehreren neueren Studien mit Aufmerksamkeitsproblemen, kognitiver Ermüdung, problematischer Nutzung und depressiveren Symptomen in Zusammenhang.

Wichtig ist aber auch hier die saubere Einordnung: Viele dieser Studien sind korrelativ. Das heisst, sie zeigen Zusammenhänge, aber nicht automatisch eine eindeutige Ursache-Wirkung-Kette. Ein Jugendlicher mit bereits bestehenden Schwierigkeiten in Konzentration, Stimmung oder Selbstregulation kann stärker zu solchen Plattformen hingezogen werden – und die Nutzung kann diese Probleme dann zusätzlich verstärken. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Die seriöse Schlussfolgerung ist daher nicht: „Short-form zerstört sicher die Aufmerksamkeit aller Jugendlichen.“ Die seriöse Schlussfolgerung ist: Die Warnsignale sind stark genug, um das Thema sehr ernst zu nehmen – vor allem dann, wenn man im Alltag bereits Konzentrationsprobleme, Reizsuchverhalten oder Schlafmangel beobachtet.

Kurze, endlose Feeds können Aufmerksamkeit und Selbststeuerung unter Druck setzen. 

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
Acta Psychologica: Scroll immersion and short-form video use · BMC Psychiatry: Problematic short-video use and adolescent depression · Frontiers in Psychology: Academic burnout in the TikTok era

4. Die Plattformen wussten mehr, als lange öffentlich sichtbar war

Die internen Unterlagen von Facebook beziehungsweise Instagram haben die Debatte nicht ohne Grund so stark geprägt. Sie zeigten, dass Meta intern durchaus Hinweise auf negative Auswirkungen bei bestimmten Gruppen sah – besonders bei Mädchen, die bereits unter Körperbildproblemen litten. Gleichzeitig argumentierte Meta öffentlich, die eigene Forschung sei differenzierter und zeige auch positive Effekte für viele Jugendliche.

Beides kann zugleich stimmen. Die Dokumente beweisen nicht, dass Instagram für alle Jugendlichen toxisch ist. Aber sie zeigen sehr wohl, dass grosse Plattformen um Risiken wussten, die öffentlich lange eher beschwichtigt wurden. Wer also als Elternteil ein ungutes Gefühl hat, liegt nicht einfach falsch. Diese Sorgen haben eine reale Grundlage.

Die Meta-Dokumente zeigen: Die Sorgen sind nicht aus der Luft gegriffen. 

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
Meta: Instagram Teen Annotated Research Deck 1 · Meta: Instagram Teen Annotated Research Deck 2

5. Das eigentliche Problem ist die Aufmerksamkeitsökonomie

Ein wichtiger Denkfehler in der Debatte ist, nur auf den Inhalt zu schauen. Oft ist das grössere Problem das Design der Plattformen. Autoplay, Infinite Scroll, Push-Nachrichten und hochpersonalisierte Feeds sind gerade darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange im System zu halten. Der britische Konsultationsprozess nennt deshalb ausdrücklich mögliche Regeln zu addictive design features und riskanten Funktionalitäten.

Gerade bei Jugendlichen ist das heikel. Selbstregulation ist in dieser Lebensphase noch im Aufbau. Wenn ein System gezielt auf schnelle Reize, unmittelbare Belohnung und niedrige Abbruchhürden setzt, ist es nicht überraschend, dass manche Jugendliche Mühe bekommen, Aufmerksamkeit gezielt zu steuern. Das ist nicht einfach eine Frage von Willenskraft, sondern auch eine Frage von Entwicklungspsychologie und Plattformdesign.

Es geht nicht nur um Inhalte, sondern um ein Design, das Jugendliche festhalten soll. 

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
UK Government: Growing up in the online world · UK consultation PDF · U.S. Surgeon General: Social Media and Youth Mental Health

6. Social Media ist nicht dasselbe wie digitales Lernen

Hier liegt ein Punkt, der für Eltern und Schulen besonders wichtig ist: Man sollte Social Media nicht mit digitalem Lernen verwechseln. Die OECD zeigt, dass moderate Nutzung digitaler Geräte für Lernzwecke in der Schule mit besseren Leistungen und höherem Zugehörigkeitsgefühl zusammenhängen kann. Gleichzeitig hängen sehr hohe Nutzung und digitale Freizeitnutzung im Schulkontext eher mit schwächeren Ergebnissen zusammen.

Auch UNESCO betont, dass Technologie in der Bildung Chancen bietet, aber nicht automatisch Fortschritt bedeutet. Der Leitsatz dort ist treffend: Nicht jede Veränderung ist Fortschritt. Technologie sollte sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren – nicht umgekehrt.

Für das Lesen gilt zudem: Viele Forschungsübersichten zeigen im Durchschnitt Vorteile von Papier gegenüber Bildschirm, wenn es um tieferes Textverständnis geht. Das bedeutet nicht, dass digitale Texte immer schlechter sind. Aber es stützt die Erfahrung vieler Eltern und Lehrpersonen, dass konzentriertes Lesen auf Papier bei anspruchsvolleren Inhalten oft leichter fällt als das Lesen auf einem Gerät, das gleichzeitig viele andere Reize bereithält.

Nicht der Bildschirm an sich ist das Problem, sondern die Art der Nutzung. 

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
OECD: Managing screen time · UNESCO GEM Report 2023 Summary · UNESCO GEM technology page

7. Unsere Erfahrung bei Upside Education

Aus unserer Sicht sehen wir fehlende Aufmerksamkeit und geringe Konzentrationsfähigkeit sehr häufig. Es ist eines der ausgeprägtesten Muster, das uns bei Schülerinnen und Schülern begegnet. In vielen Fällen erleben wir, dass eine hohe Ausprägung dieser Schwierigkeiten mit exzessiver Mediennutzung – insbesondere Social Media – und mit wenig bewusster Reflexion über das eigene Nutzungsverhalten einhergeht.

Gleichzeitig wäre es falsch, daraus eine starre Regel zu machen. Nicht jede intensive Mediennutzung führt automatisch zu einem Konzentrationsproblem. Und nicht jedes Konzentrationsproblem hat seine Ursache in Social Media. Genau deshalb braucht es immer eine individuelle Betrachtung: Wie nutzt der Jugendliche Medien? Zu welchen Tageszeiten? In welcher emotionalen Verfassung? Mit welchen Auswirkungen auf Schlaf, Hausaufgaben, Frustrationstoleranz und Lernverhalten?

Für uns ist dabei ein Punkt zentral: Das Opt-in des Jugendlichen ist essenziell. Nachhaltige Verbesserung entsteht in der Regel nicht dadurch, dass Erwachsene bloss Druck machen. Erfolgsaussichten steigen deutlich, wenn Jugendliche selbst verstehen, wo Risiken liegen, wie ihr Verhalten ihre Konzentration beeinflussen kann und warum eine Veränderung für sie persönlich sinnvoll wäre. Erst dann lassen sich realistische, inkrementelle Schritte ableiten, die tatsächlich im Alltag halten.

Konzentrationsprobleme sind oft kein Zufall, aber sie müssen individuell betrachtet werden. 

8. Was Eltern konkret tun können

Gerade weil das Thema komplex ist, hilft es vielen Eltern, mit konkreten, überschaubaren Schritten zu arbeiten. Nicht jede Familie braucht dasselbe. Aber die folgenden Massnahmen sind in vielen Fällen sinnvoll.

1) Erst beobachten, dann urteilen

Bevor Regeln verschärft werden, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Ist-Zustand: Wann wird Social Media genutzt? Wie lange? Vor dem Schlafen? Während Hausaufgaben? Direkt nach dem Aufstehen? Parallel zu anderen Tätigkeiten?

Oft zeigt sich erst durch diese Beobachtung, wo das eigentliche Problem liegt: nicht unbedingt die Gesamtzeit, sondern der falsche Moment, die Häufigkeit der Unterbrechungen oder die fehlende Grenze zwischen Lernen und Konsum.

2) Klare bildschirmfreie Zonen schaffen

Die American Academy of Pediatrics empfiehlt screen-free zones, etwa beim Essen, während Hausaufgaben und vor dem Schlafen. Das ist nicht altmodisch, sondern praktisch. Es reduziert Konkurrenz um Aufmerksamkeit und stärkt Routinen. Besonders wirksam ist oft eine einfache Regel: Kein Social Media während Lernphasen. Kein Handy im Bett.

3) Störmechaniken bewusst abschalten

Viele Plattformen leben von Reibungslosigkeit: Autoplay, Push-Nachrichten, endloses Scrollen. Genau diese Mechaniken halten Jugendliche im System. Deshalb lohnt es sich, technische Friktion einzubauen:

  • Push-Nachrichten aus
  • Autoplay aus
  • App-Limits prüfen
  • problematische Apps vom Homescreen entfernen
  • nur eine Bildschirmaktivität gleichzeitig

Auch die AAP empfiehlt ausdrücklich, unnötige Ablenkung zu reduzieren und Regeln wie „one screen at a time“ einzuführen.

4) Schlaf zuerst schützen

Wenn Mediennutzung den Schlaf untergräbt, verschlechtert sich oft vieles gleichzeitig: Konzentration, Stimmung, Frustrationstoleranz, Lernleistung. Deshalb ist eine der wirksamsten Einzelmassnahmen oft banal: Geräte nachts ausserhalb des Schlafzimmers laden. Der Zusammenhang zwischen problematischer digitaler Nutzung und Schlafproblemen ist in der Literatur gut dokumentiert.

5) Lernen und Unterhaltung sauber trennen

Ein Tablet für Mathematikübungen ist nicht dasselbe wie ein Handy mit TikTok neben dem Heft. Eltern helfen Jugendlichen, wenn sie diese Unterscheidung im Alltag konkret machen:

  • Für konzentriertes Arbeiten möglichst ein reizarmes Setting
  • Wenn möglich längere Texte auf Papier
  • klare Arbeitsblöcke
  • Social Media erst nach der Lernphase

Gerade bei anspruchsvolleren Aufgaben ist Tiefe oft wichtiger als Bequemlichkeit.

6) Nicht nur verbieten, sondern besprechen

Jugendliche steigen eher aus problematischen Mustern aus, wenn sie verstehen, warum eine Veränderung sinnvoll ist. Gespräche helfen mehr als moralische Vorträge. Gute Fragen sind zum Beispiel:

  • Merkst du selbst, dass du schneller abgelenkt bist?
  • Wie fühlst du dich nach 45 Minuten Scrollen?
  • Was passiert mit deinen Hausaufgaben, wenn das Handy neben dir liegt?
  • Schlafst du schlechter, wenn du spät noch online bist?

Das Ziel ist nicht Beschämung, sondern Einsicht.

7) Kleine Experimente statt Maximalforderungen

In vielen Familien scheitern Veränderungen nicht am guten Willen, sondern an zu grossen Zielen. Ein kompletter Social-Media-Stopp klingt klar, hält aber oft nicht lange. Besser sind kleine Tests:

  • eine Woche kein Handy während der Hausaufgaben
  • 30 Minuten früher offline am Abend
  • ein social-media-freier Sonntagmorgen
  • Push-Nachrichten für zwei Wochen ausschalten

Solche Experimente machen den Unterschied oft erst sichtbar – und genau das erhöht die Bereitschaft des Jugendlichen, weiterzugehen.

8) Auf das Opt-in des Jugendlichen achten

Wenn ein Jugendlicher gar nicht bereit ist, sein Verhalten anzuschauen, sind die Erfolgschancen begrenzt. Dann braucht es zuerst Verständnis für die eigene Situation: Was gibt ihm Social Media? Ablenkung? Zugehörigkeit? Entspannung? Gewohnheit? Erst wenn diese Funktion verstanden wird, kann man sinnvolle Alternativen und Regeln entwickeln.

9) Bei deutlichen Mustern früh Unterstützung holen

Wenn Konzentrationsprobleme, Hausaufgabenkonflikte, Schlafmangel, Stimmungsschwankungen oder massive Lernprobleme zunehmen, lohnt sich frühe Unterstützung. Nicht weil jedes Problem dramatisch wäre, sondern weil sich Muster sonst oft verfestigen. Eine gute Begleitung hilft, den konkreten Fall sauber zu analysieren und inkrementelle, realistische Massnahmen abzuleiten.

Nicht alles auf einmal ändern, sondern gezielt und konsequent.

Weiterlesen zu diesem Abschnitt:
AAP / HealthyChildren: How to Make a Family Media Plan · AAP Family Media Plan Tool · OECD: How’s Life for Children in the Digital Age? · U.S. Surgeon General: Social Media and Youth Mental Health

9. Was aus unserer Sicht der sinnvollste Weg ist

Die aktuelle politische Debatte ist in einem Punkt hilfreich: Sie macht sichtbar, dass es sich nicht um ein Randthema handelt. Die Risiken von Social Media für Jugendliche sind real. Zugleich wäre es ein Fehler, nun einfach jedes Digitale unter Generalverdacht zu stellen. Die sinnvollere Haltung ist aus unserer Sicht: genau hinschauen, differenzieren, reflektieren und konkrete Veränderungen dort ansetzen, wo sie im individuellen Fall wirklich nötig sind.

Denn am Ende geht es nicht nur um Apps, Plattformen oder Bildschirmzeit. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: Kann ein Jugendlicher seine Aufmerksamkeit steuern? Kann er bei einer Sache bleiben? Kann er lesen, denken, lernen, ohne ständig nach dem nächsten Reiz zu greifen?

Diese Fähigkeiten werden in einer digitalen Umwelt nicht automatisch stärker. Sie müssen bewusst geschützt und aufgebaut werden. Und genau darin liegt heute eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern, Schule und Lernbegleitung.

Weder Panik noch Gleichgültigkeit, sondern bewusste, individuelle Steuerung.

Quellen

Möchten Sie besser verstehen, wie digitale Gewohnheiten die Konzentration Ihres Kindes beeinflussen? Wir unterstützen Sie gerne mit einer individuellen Einschätzung und konkreten nächsten Schritten.

Aufsatz schreiben? Warum viele Kinder kaum darauf vorbereitet sind

Viele Schülerinnen und Schüler machen ihre ersten Erfahrungen mit Aufsätzen erst sehr spät.
Dabei ist das Schreiben strukturierter Texte keine Frage von Talent, sondern von Methode und Übung – mit grosser Bedeutung für Denken und Lernen.

Warum Aufsatzschreiben systematisch vernachlässigt wird – und weshalb das ein Problem ist

Viele Schülerinnen und Schüler der 6. Primarschule sowie der 2. Sekundarstufe, mit denen wir im Rahmen der Gymivorbereitung arbeiten, haben im Rahmen der Volksschule kaum Erfahrung im Schreiben längerer Texte. In manchen Fällen wurde zuvor ein einziger Aufsatz verfasst – in anderen gar keiner.

Diese Beobachtung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems: Das Schreiben von Texten wird im schulischen Alltag systematisch vernachlässigt.

Der Hauptgrund dafür liegt auf der Hand. Das Korrigieren und Bewerten von Aufsätzen ist für Lehrpersonen sehr zeitaufwändig. Gleichzeitig ist die Beurteilung von Texten immer auch mit subjektiven Einschätzungen verbunden – was Diskussionen, Unzufriedenheit bei Eltern und im Extremfall sogar rechtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen kann. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es nachvollziehbar, dass das Textschreiben im Schulalltag oft in den Hintergrund rückt.

Verständlich – aber problematisch.

Warum diese Entwicklung kritisch ist

Das Verfassen von Texten ist trotz – oder gerade wegen – der zunehmenden Verfügbarkeit von KI-gestützten Sprachmodellen eine zentrale Schlüsselkompetenz.

Wer gelernt hat, Gedanken zu strukturieren, Inhalte adressatengerecht aufzubereiten und Argumente nachvollziehbar darzustellen, kommuniziert nicht nur besser – sondern denkt klarer. Diese Fähigkeit ist entscheidend in Gesprächen, Verhandlungen, Präsentationen und auch im souveränen Umgang mit KI-generierten Texten.

Dabei geht es nicht primär um fehlerfreies Schreiben. Es geht um die Fähigkeit, eigene Gedanken zu ordnen, Schwerpunkte zu setzen und Bedeutung zu erzeugen – schriftlich wie mündlich.

Relevanz für die Gymi-Aufnahmeprüfung und die weitere Schullaufbahn

Besonders brisant ist diese Lücke im Hinblick auf die Gymi-Aufnahmeprüfung: Der Aufsatz macht dort einen wesentlichen Teil der Gesamtbewertung aus und ist für Schülerinnen und Schüler mit gymnasialen Ambitionen hochrelevant.

Auch während der Mittelschulzeit werden regelmässig längere Texte verfasst und benotet – mit einem Abschluss in der Maturitätsprüfung. Wer bis dahin nie systematisch gelernt hat, Texte zu planen, zu strukturieren und zu überarbeiten, startet mit einem deutlichen Nachteil.

Was in der Praxis häufig passiert

Fehlende Übung und fehlendes methodisches Wissen führen dazu, dass viele Jugendliche ohne Plan mit dem Schreiben beginnen – in der Hoffnung, dass ihnen „beim Schreiben schon etwas Gutes einfallen wird“.

Das Resultat sind häufig Texte,

  • die inhaltlich wenig fokussiert sind,
  • deren Struktur unklar bleibt,
  • und die ihr Potenzial nicht ausschöpfen.

Nicht, weil die Schülerinnen und Schüler zu wenig könnten – sondern weil ihnen ein Werkzeug fehlt.

Aufsätze schreiben ist keine Hexerei

Gutes Schreiben ist kein Talent, sondern ein erlernbarer Prozess. Oft genügt es, Jugendlichen ein klares Vorgehen an die Hand zu geben, um aus einer ersten Idee einen strukturierten, aussagekräftigen Text zu entwickeln.

Ein zentrales Element dabei ist die Planung. Wer vor dem Schreiben Zeit investiert, um Gedanken zu ordnen – etwa mit einer Mindmap oder einer einfachen Gliederung – schreibt anschliessend deutlich fokussierter und effizienter.

Wird der Text anschliessend bewusst überarbeitet, entsteht in den meisten Fällen ein Ergebnis, das mindestens solide, häufig sogar sehr gut bewertet wird. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Vorgehensweise regelmässig trainiert wird und die Rückmeldungen reflektiert werden.

Unsere Empfehlung: Ein einfaches, wirksames Vorgehen

Wir empfehlen Schülerinnen und Schülern folgendes Vorgehensmodell:

  1. Text planen
    Struktur und Inhalte in einer Mindmap oder Gliederung festhalten
    (ca. 1/5 der verfügbaren Zeit)

  2. Erste Fassung schreiben
    Den Text konsequent entlang der Planung ausformulieren
    (ca. 2/5 der Zeit)

  3. Überarbeiten und verfeinern
    Inhaltliche Präzisierung, sprachlicher Ausdruck, Korrekturlesen
    (ca. 1/5 der Zeit)

 

Dieses Vorgehen stellt sicher, dass Schreiben nicht planlos geschieht, sondern als strukturierter Denkprozess verstanden wird – mit deutlich geringerer Fehlerquote und klarerer Aussagekraft

  • Viele Schülerinnen und Schüler schreiben in der Volksschule kaum längere Texte – oft keinen einzigen Aufsatz.

  • Der Hauptgrund ist strukturell: Textkorrekturen sind zeitintensiv und Bewertungen zwangsläufig subjektiv.

  • Schreiben ist weit mehr als Rechtschreibung – es ist strukturiertes Denken und gezielte Kommunikation.

  • In der Gymi-Aufnahmeprüfung wiegt der Aufsatz stark, während systematische Vorbereitung oft fehlt.

  • Mit klarer Planung und Übung ist gutes Schreiben für Jugendliche gut erlernbar.

Unsicher, wo Ihr Kind beim Schreiben steht?
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir gemeinsam den Bedarf – und entscheiden, ob ein strukturierter Förderplan oder ein realitätsnaher Simulationsaufsatz der richtige nächste Schritt ist.

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