Aufsatz schreiben? Warum viele Kinder kaum darauf vorbereitet sind

Viele Schülerinnen und Schüler machen ihre ersten Erfahrungen mit Aufsätzen erst sehr spät.
Dabei ist das Schreiben strukturierter Texte keine Frage von Talent, sondern von Methode und Übung – mit grosser Bedeutung für Denken und Lernen.

Warum Aufsatzschreiben systematisch vernachlässigt wird – und weshalb das ein Problem ist

Viele Schülerinnen und Schüler der 6. Primarschule sowie der 2. Sekundarstufe, mit denen wir im Rahmen der Gymivorbereitung arbeiten, haben im Rahmen der Volksschule kaum Erfahrung im Schreiben längerer Texte. In manchen Fällen wurde zuvor ein einziger Aufsatz verfasst – in anderen gar keiner.

Diese Beobachtung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems: Das Schreiben von Texten wird im schulischen Alltag systematisch vernachlässigt.

Der Hauptgrund dafür liegt auf der Hand. Das Korrigieren und Bewerten von Aufsätzen ist für Lehrpersonen sehr zeitaufwändig. Gleichzeitig ist die Beurteilung von Texten immer auch mit subjektiven Einschätzungen verbunden – was Diskussionen, Unzufriedenheit bei Eltern und im Extremfall sogar rechtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen kann. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es nachvollziehbar, dass das Textschreiben im Schulalltag oft in den Hintergrund rückt.

Verständlich – aber problematisch.

Warum diese Entwicklung kritisch ist

Das Verfassen von Texten ist trotz – oder gerade wegen – der zunehmenden Verfügbarkeit von KI-gestützten Sprachmodellen eine zentrale Schlüsselkompetenz.

Wer gelernt hat, Gedanken zu strukturieren, Inhalte adressatengerecht aufzubereiten und Argumente nachvollziehbar darzustellen, kommuniziert nicht nur besser – sondern denkt klarer. Diese Fähigkeit ist entscheidend in Gesprächen, Verhandlungen, Präsentationen und auch im souveränen Umgang mit KI-generierten Texten.

Dabei geht es nicht primär um fehlerfreies Schreiben. Es geht um die Fähigkeit, eigene Gedanken zu ordnen, Schwerpunkte zu setzen und Bedeutung zu erzeugen – schriftlich wie mündlich.

Relevanz für die Gymi-Aufnahmeprüfung und die weitere Schullaufbahn

Besonders brisant ist diese Lücke im Hinblick auf die Gymi-Aufnahmeprüfung: Der Aufsatz macht dort einen wesentlichen Teil der Gesamtbewertung aus und ist für Schülerinnen und Schüler mit gymnasialen Ambitionen hochrelevant.

Auch während der Mittelschulzeit werden regelmässig längere Texte verfasst und benotet – mit einem Abschluss in der Maturitätsprüfung. Wer bis dahin nie systematisch gelernt hat, Texte zu planen, zu strukturieren und zu überarbeiten, startet mit einem deutlichen Nachteil.

Was in der Praxis häufig passiert

Fehlende Übung und fehlendes methodisches Wissen führen dazu, dass viele Jugendliche ohne Plan mit dem Schreiben beginnen – in der Hoffnung, dass ihnen „beim Schreiben schon etwas Gutes einfallen wird“.

Das Resultat sind häufig Texte,

  • die inhaltlich wenig fokussiert sind,
  • deren Struktur unklar bleibt,
  • und die ihr Potenzial nicht ausschöpfen.

Nicht, weil die Schülerinnen und Schüler zu wenig könnten – sondern weil ihnen ein Werkzeug fehlt.

Aufsätze schreiben ist keine Hexerei

Gutes Schreiben ist kein Talent, sondern ein erlernbarer Prozess. Oft genügt es, Jugendlichen ein klares Vorgehen an die Hand zu geben, um aus einer ersten Idee einen strukturierten, aussagekräftigen Text zu entwickeln.

Ein zentrales Element dabei ist die Planung. Wer vor dem Schreiben Zeit investiert, um Gedanken zu ordnen – etwa mit einer Mindmap oder einer einfachen Gliederung – schreibt anschliessend deutlich fokussierter und effizienter.

Wird der Text anschliessend bewusst überarbeitet, entsteht in den meisten Fällen ein Ergebnis, das mindestens solide, häufig sogar sehr gut bewertet wird. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Vorgehensweise regelmässig trainiert wird und die Rückmeldungen reflektiert werden.

Unsere Empfehlung: Ein einfaches, wirksames Vorgehen

Wir empfehlen Schülerinnen und Schülern folgendes Vorgehensmodell:

  1. Text planen
    Struktur und Inhalte in einer Mindmap oder Gliederung festhalten
    (ca. 1/5 der verfügbaren Zeit)

  2. Erste Fassung schreiben
    Den Text konsequent entlang der Planung ausformulieren
    (ca. 2/5 der Zeit)

  3. Überarbeiten und verfeinern
    Inhaltliche Präzisierung, sprachlicher Ausdruck, Korrekturlesen
    (ca. 1/5 der Zeit)

 

Dieses Vorgehen stellt sicher, dass Schreiben nicht planlos geschieht, sondern als strukturierter Denkprozess verstanden wird – mit deutlich geringerer Fehlerquote und klarerer Aussagekraft

  • Viele Schülerinnen und Schüler schreiben in der Volksschule kaum längere Texte – oft keinen einzigen Aufsatz.

  • Der Hauptgrund ist strukturell: Textkorrekturen sind zeitintensiv und Bewertungen zwangsläufig subjektiv.

  • Schreiben ist weit mehr als Rechtschreibung – es ist strukturiertes Denken und gezielte Kommunikation.

  • In der Gymi-Aufnahmeprüfung wiegt der Aufsatz stark, während systematische Vorbereitung oft fehlt.

  • Mit klarer Planung und Übung ist gutes Schreiben für Jugendliche gut erlernbar.

Unsicher, wo Ihr Kind beim Schreiben steht?
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir gemeinsam den Bedarf – und entscheiden, ob ein strukturierter Förderplan oder ein realitätsnaher Simulationsaufsatz der richtige nächste Schritt ist.

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